Sonntag, 16. April 2017

#25 23.01.1940





Liebe Großmutter, liebe Tante Anne!

Sicher werdet ihr Euch wundern, schon wieder einen Brief von mir zu erhalten. Kaum habe ich am 20. eine neue Feldpostnummer erhalten, da hat es gestern schon wieder eine Änderung gegeben. Durch eine plötzliche Versetzung in ein anderes Battalion des Regiments mit dem ehemaligen Standort Detmold habe ich nun die neue Nummer 19941.C. Ich habe es nicht schlecht angetroffen in der neuen Umgebung. Vor allen bin ich aus unseren alten Kaff in den 10 km entfernten Flecken gekommen. Man kann sich aufgrund der hier herrschenden Sauberkeit und Ordnung gar nicht vorstellen, dass man noch immer in Hunsrück ist. Mein Quartier ist auch sehr nett. Anstelle der ewigen Toberei in den letzten 6 Wochen habe ich jetzt mit zwei Unteroffizieren zusammen in einem netten Quartier bei einer jungen Frau, deren Mann auch zum Arbeitsdienst eingezogen ist, mit drei Kindern mich niedergelassen. Alles um uns her ist so sauber und freundlich und vor allem haben wir jetzt das langentbehrte Radio. Eben hörten wir die politische Rundschau und jetzt sitze ich beim Abendkonzert am weiß gedeckten Küchentisch und schreibe. Heute habe ich zum ersten Male Dienst gemacht. Der Oberbürgermeister von Detmold führt als Leutnant meinen Zug. Hoffentlich habe ich mit dem mir zugeteilten Leuten Glück, sonst wird es mir als neu hinzugekommener nicht schwer fallen, mir die Leute richtig zu erziehen und auf gegenseitigen Vertrauen eine ordentliche Kampfgemeinschaft zu schweißen. Sicher ist es nicht so leicht aus einem alten Verbande herausgezogen zu werden, aber die neue Umgebung scheint mir doch noch ordentlicher zu sein, wenn man sich erstmal an manche fremde Einrichtung gewöhnt und eingelebt hat. Mit mir wurden noch zwei Unteroffiziere versetzt, die aber bereits in den nächsten Tagen zu einem neu aufgestellten Truppenteil kommen. Ein wunder Punkt ist jetzt die Urlaubsfrage. Ich stand nun schon ziemlich dicht davor, nun ist die Urlauberquote von 15% wieder auf 5% herabgesetzt worden. Nun kann ich als Neuling ja auch nicht gleich mit Urlaubsfragen kommen. Ich denke aber doch, dass man mich gebührend einreihen wird in die Reihe der Glücklichen. Vorläufig habe ich erstmal alles, was ich brauche. Die Kälte will immer noch nicht nachlassen; im Gelände liegt der Schnee stellenweise bis zu einem Meter tief und machte uns heute früh viel zu schaffen. Heute Nachmittag wurde uns der Film "Das Verlegenheitskind", den ich mit der alten Kompanie schon mal gesehen hatte, vorgeführt. Am Donnerstag soll wieder Varieté sein. Am letzten Sonnabend hat meine neue Kompanie einen Manöverball veranstaltet. Meine Erkältung ist sozusagen jetzt endlich vorbei. Ich freue mich schon sehr, wenn ich in den nächsten Tagen wieder die schönen "Auslese"-Hefte bekomme. Ich möchte noch anderen von der Änderung in meinem Dasein und der neuen Feldpostnummer Kenntnis geben und bin darum etwas in Eile.

Mit vielen herzlichen Grüßen und einem lauten "Heil Hitler!"

bin ich Euer

Reinhard

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#40 21.06.1940

Liebe Großmutter, liebe Tante Anne! Wir erfreut war ich, von Euch schon wieder so ein leckeres Paket mit einem lieben Brief zu erhalten. ...